Kohlendioxid ist nicht alles

Ideen für eine sinnvolle ökologische Umgestaltung

Andreas Kässer

Klimaschutz ist in aller Munde und das zu Recht. Statt unsere Lebensführung der Erholungsfähigkeit der Erde anzupassen, sind wir dabei, die Umwelt für Mensch und Tier immer lebensfeindlicher zu machen.
Doch erfordert Umweltschutz wirklich die fortwährende Gängelung der Menschen? Gibt es keinen anderen Weg, Kohlendioxid einzusparen, als den Lebensstandard mit immer neuen Klimasteuern, -abgaben und -umlagen zielgerichtet zu senken? Es ist ein Irrweg, die Grundversorgung mit Strom, Heizung und Treibstoff nur zu verteuern und nichts Strukturelles für eine Senkung der Umweltschäden zu tun. Die immer höhere finanzielle Belastung zwingt die Mehrheit zu unnötigem Verzicht.
Dabei lässt sich für die Umwelt ohne staatlich erzwungene Verarmung sehr viel mehr erreichen. Wie, das zeigt das Buch. Echte Einsparungen gibt es nur durch grundlegende Änderungen etwa im Transportwesen. Es geht nicht um Verzicht, sondern um Wandel. Richtig angefangen, bleibt für uns alle mehr: Arbeitsplätze, Einkommen, Gewinne, Steuereinnahmen – nicht obwohl, sondern gerade weil wir eine gesunde Umwelt schaffen.

Genre: Sachbuch

Sprache: deutsch

Erschienen: 2021

Format: 

DIN A5,
Softcover,
231 Seiten

ISBN: 978-3-938721-15-5

Preis: 19,80 €

erscheint in Kürze



Leseprobe

1 Einleitung

Als der Club of Rome 1972 seinen mit „Die Grenzen des Wachstums” betitelten Bericht veröffentlichte, war es ein Weckruf an die Mächtigen, bei ihren Entscheidungen an die Endlichkeit der Ressourcen des Erdballs zu denken.

Viel ist seitdem geschehen. Durch den Bau von Kläranlagen wurde das Wasser in den Flüssen sehr viel sauberer, die Abgase der meisten Verkehrsmittel wurden drastisch reduziert, der Ausstoß der Kohlekraftwerke an Schwefel- und Stickoxiden sowie an Staubpartikeln deutlich zurückgeführt.

Doch gleichzeitig stieg die weltweite Belastung der Umwelt durch das Wirtschaftswachstum, den sich ausbreitenden Wohlstand und Konsum in bevölkerungsreichen damaligen Entwicklungsländern und ganz allgemein durch die wachsende Anzahl der Menschen.

Hätte man in eng besiedelten Ländern wie in Mitteleuropa noch die Standards wie vor 50 Jahren, so wären die Wälder verschwunden und die Flüsse Kloaken. Die Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser wäre kaum mehr möglich.

Die Erfolge sind also durchaus beachtlich.

Die bisherigen Anstrengungen konnten aber nicht verhindern, dass sich neue Probleme auftürmen. Wie der Club of Rome vorhersagte, entstehen sie durch unser ungebremstes Wachstum. Die Menschen haben sich die Erde untertan gemacht, aber sie herrschen wie Despoten ohne Rücksicht auf Verluste.

Wissenschaftler sprechen vom Anthropozän, also einer erdgeschichtlichen Epoche, in der das Bild der Erde vom Menschen geprägt wird.

Und dieses Bild zeigt viele Wunden und Narben. Doch viel schlimmer sind Veränderungen, die man auf den ersten Blick nicht sehen kann. Unser Tun verändert das Klima und lässt viele Arten aussterben.

Klimaänderungen in geologischen Zeiträumen sind nichts Besonderes, sondern eher die Regel. Doch heute verläuft die Änderung in einigen Menschenaltern.

Die Änderungsgeschwindigkeit ist gerade so, dass der Wandel im täglichen Leben kaum bemerkt wird. Alle Wetterphänomene wie heiße Sommer, Dürren oder Überschwemmungen, die ihm zugeschrieben werden, traten schon immer auf. Nur ihre Häufigkeit ändert sich. Auch ein weltweiter mittlerer Temperaturanstieg um ein Grad Celsius ist für den Einzelnen in seinem Alltag nicht erkennbar.

Phänomene wie das Schmelzen der Gletscher und der eisigen Polkappen machen den Klimawandel jedoch unübersehbar. Um ihn aber in seiner Komplexität mit all den statistischen Schwankungen in der Datenbasis zu verstehen, sind umfangreiche Klimamodelle erforderlich. Bis heute gelingt es noch nicht, sämtliche Einflussfaktoren zu berücksichtigen. Es zeichnet sich aber ab und wird von der Mehrheit der Wissenschaftler und Politiker anerkannt, dass die von den Menschen bei der Nutzung fossiler Brennstoffe produzierten Abgase ein wesentlicher Grund für die Erderwärmung sind.

Insbesondere Kohlendioxid, das ständig aus vielfältigen Quellen entsteht, ist der Verursacher, denn es wirkt wie das Glas eines Treibhauses. Es lässt das Licht der Sonne nahezu ungehindert passieren, sodass dieses die Erdoberfläche erwärmen kann, hemmt aber das Entweichen der entstehenden Wärme ins Weltall.

Kohlendioxid ist nicht das einzige Treibhausgas, wie Gase mit dieser Eigenschaft bezeichnet werden. Auch Wasserdampf und viele, in geringeren Mengen in der Atmosphäre vorkommende Gase gehören dazu.

Dieser Treibhauseffekt ist eigentlich ein Glücksfall für uns, denn nur ihm haben wir es zu verdanken, dass wir auf der Erde überhaupt existieren können. Ohne die durch ihn hervorgerufene Erwärmung läge die globale Erdmitteltemperatur nicht wie heute bei 15 °C, sondern bei lebensfeindlichen -18 °C.

Vor etwa 300 Millionen Jahren gab es eine Epoche mit etwa zehnmal so hohem Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre wie heute und subtropischen Temperaturen, das Karbon. Damals explodierte der Bewuchs der Erdoberfläche geradezu. Die Pflanzen absorbierten das Treibhausgas und produzierten Sauerstoff.

Wissenschaftler vermuten, dass es damals noch nicht die Pilze gab, die heute Holz zersetzen. Ein Teil des Bewuchses konnte daher nicht in den Kreislauf zurückgeführt werden und findet sich heute in Form von fossilen Brennstoffen in der Erde. Die Pflanzen entzogen der Atmosphäre nach und nach den größten Teil des Kohlendioxids. Als Folge sank die Temperatur, bis es schließlich so kalt wurde, dass das Methan, ein noch viel stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid, einfror und teils im Permafrost, teils am Meeresboden als Methanhydrat gebunden blieb. Der Wandel dauerte 50 Millionen Jahre.

Auch heute ist nur ein Bruchteil von 0,001 % des weltweiten Kohlendioxids frei in der Atmosphäre und bestimmt unser Klima. Der weitaus überwiegende Teil ist in Gestein gebunden oder befindet sich im Wasser der Ozeane. Da das atmosphärische Kohlendioxid auf vielen unterschiedlichen Wegen in ständigem Austausch mit den viel größeren anderen Reservoiren steht, sind Klimamodelle extrem schwierig zu erstellen.

Man erkennt, dass eine höhere Konzentration von Kohlendioxid in der Luft für die Erde kein Problem ist. Darauf und auch auf deutlich höhere Temperaturen kann sich die Natur einstellen. Der Pegel der Ozeane wird steigen, die Landfläche kleiner und von neuartigen, an die Umstände angepassten Pflanzen besiedelt werden.

Das Problem trifft uns, die Menschen, denn unsere Zivilisation ist auf ein gemäßigtes Klima angewiesen. Unsere über tausende Jahre herangezüchteten Lebensmittel vertragen die Hitze nicht und viele unserer Ballungszentren liegen am Meer. Da nützt kein Streit, ob der Klimawandel natürliche Ursachen hat oder vom Menschen gemacht wurde. Diese Auseinandersetzung ist müßig. Es gibt ihn, und der Mensch hat noch die Möglichkeit, ihn aufzuhalten oder zumindest ihn zu verlangsamen.

Seit Beginn der Industrialisierung wurden Unmengen zusätzlicher Treibhausgase ausgestoßen. Nachdem seit 2000 Jahren die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre konstant bei etwa 0,28 ‰ lag, stieg sie im Zeitraum 1750 bis 2019 um 46 %, allein seit 1950 um 33 % auf heute 0,41 ‰.

Die Abholzung der Wälder und die Ausdehnung der Landwirtschaft stehen heute der Absorption des zusätzlichen Kohlendioxids entgegen. So sammelt sich das Gas in der Atmosphäre und den Ozeanen und führt in Jahrzehnten zu Veränderungen, die erdgeschichtlich Jahrmillionen brauchten.

Die Gefahr besteht, dass durch die Verbrennung des einst aus dem Kreislauf entnommenen Kohlenstoffs sich die Vorgänge des Karbons wieder umkehren, das gefrorene Methan in den Permafrostböden und am Meeresboden verdampft und die Erwärmung zu einem sich selbst verstärkenden Effekt wird, der von den Menschen unbeeinflussbar abläuft.

Zu Recht kämpfen die Schüler von „Fridays for Future” dagegen an.

Doch es fragt sich, ob die Begeisterungsfähigkeit der jungen Menschen nicht instrumentalisiert wird. Der Kampf gegen den Klimawandel ist wichtig, doch er stellt nur einen kleinen Ausschnitt der Probleme dar, die zur Erhaltung unserer Umwelt zu lösen sind.

Wirkliche Verbesserungen lassen sich durch technische Maßnahmen allein nicht erreichen. Es müssen die Ursachen angepackt werden, die uns dazu bringen, die Umwelt zu schädigen.

Die Corona-Pandemie zeigt, wie es nicht sein darf. Manche Umweltschützer jubeln, weil die Verschmutzungswerte zurückgehen, und wollen den Zustand eingeschränkter industrieller Tätigkeit möglichst auf Dauer erhalten. Dass die Wirtschaft leidet und die Arbeiter vom Kurzarbeitergeld ihrer Arbeitslosenversicherung leben, stört sie nicht. Man kann den Eindruck gewinnen, in ihrem Weltbild komme das Geld von der Bank.

Löhne setzen voraus, dass es Arbeit gibt, und die Sozialkassen können Geld nur ausgeben, wenn sie auch Einnahmen haben.

Umweltschutz, der die Menschen ihrer Lebensgrundlage beraubt, ist kurzsichtig und dumm.

Nicht „die” Industrie abzuschaffen, löst die Probleme. Dass, wenn die Produktion stillsteht, sich die Natur erholen kann, ist zwar richtig, geht aber von einem verengten Verständnis in der Zielsetzung aus. Auch die Menschen gehören zur Natur, ihr Wohlbefinden ist ein gleichrangiges Ziel des Umweltschutzes. Deutschland lebt von seiner Industrie. Eine Deindustrialisierung führte zu Armut und Elend.

Dass die jungen Demonstranten gegen die Fehlentwicklungen auf die Straße gehen, ist verständlich. Sie sehen das Grundsätzliche. Aber die Politiker sollten sich schon um eine umfassendere Sicht bemühen.

Wie reagieren die heute demonstrierenden Schüler wohl, wenn sie in ein paar Jahren keinen ordentlichen Arbeitsplatz finden? Werden sie sagen: Es ist sexy, nicht durch unsere Arbeit der Umwelt zu schaden, oder pfeifen sie vielleicht auf den Umweltschutz und wollen lieber ein erfülltes Leben führen?

Einige grundlegende Fakten sollten unser Verhalten bestimmen:

  1. Die weltweite Industrie produziert bei der Herstellung von Stahl, Zement und Düngemitteln riesige Mengen umweltschädlicher Gase. Es ist nicht zu erwarten, dass diese Grundstoffe in einer expandierenden Weltwirtschaft zukünftig weniger gebraucht werden als heute, im Gegenteil.
  2. Die heutigen Umweltschutzbemühungen belasten und bevormunden die Menschen in Deutschland und mindern den weltweiten Ausstoß an Kohlendioxid nur im Promille-Bereich. Das zeigt, wie wenig er der Natur nützt. Bedenkt man noch den Schaden, den er der Industrie zufügt, so sieht man, dass die heutige Herangehensweise ein Irrweg ist.
  3. Wir dürfen Umweltschutz nicht ideologisch sehen, es geht nicht um Verzicht. Es gilt, rational Wege zu suchen, die das Wohl der Umwelt und der Menschen gewährleisten.
  4. Richtig verstanden ist die ökologische Umgestaltung eine Chance, nicht nur die Natur zu retten, sondern auch unseren Lebensstandard zu wahren.
  5. Es braucht einen gänzlich neuen Ansatz, weg von der Verbotsmentalität, hin zu einer positiven Gestaltung. Es genügt nicht, teure, punktuelle, ökologisch zweifelhafte Lösungen zu favorisieren. Umweltschutz muss als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe angegangen werden. Nur eine gemeinsame Anstrengung und ein tiefgreifender Wandel unserer Gesellschaft kann die Belastung der Umwelt wirklich verringern.
  6. Es gilt, die Probleme als Chance aufzufassen. Wir gewinnen nichts, wenn wir Technologien übernehmen, die uns von anderen Ländern angeboten werden und die auf deren Gegebenheiten hin optimiert sind.
  7. Wir müssen unsere eigenen Stärken analysieren und darauf aufbauende umweltschonende Lösungen suchen. Nur wenn die so attraktiv sind, dass sie unsere Kunden weltweit überzeugen, helfen wir der Umwelt und den Menschen.
  8. Unser Beitrag zur Lösung der Klimaproblematik ist viel größer, wenn wir die Intelligenz und Leistungskraft unserer Industriegesellschaft dazu nutzen, praktikable Lösungen zu erarbeiten, als wenn wir uns nur einschränken.

Doch ein solcher Weg ruft den Widerstand mächtiger Gegner hervor, deren Interessen durch die Neuerungen berührt sein könnten. Für diese ist eine Scheinpolitik, ein grünes Mäntelchen, viel weniger störend. Verfolgt man, mit welchem Eifer konservative und liberale Medien „Fridays for Future” unterstützen, so kann durchaus der Verdacht aufkommen, dass die Bewegung solchen Interessen ins Konzept passt.

Wie es aussieht, werden die Zeiten härter, und wir müssen uns zukünftig deutlich mehr anstrengen, um am Weltmarkt bestehen zu können. Nur wenn wir von den Kapitaleignern bis zur letzten Hilfskraft dem Ziel eines ökologischen Wandels unserer Gesellschaft verpflichtet sind, können wir es schaffen.

Der Mehrheit der Menschen immer neue Belastungen aufzuerlegen, die ihren Lebensstandard mehr und mehr absenken, und es gleichzeitig anderen zu ermöglichen, immer reicher zu werden, ist nicht hilfreich beim Erreichen des Ziels. Ökologischer Fortschritt muss mit sozialem Fortschritt verbunden werden.

Diesen Mentalitätsumschwung bei den Menschen zu bewirken, die seit vielen Jahrzehnten eine solche Situation nicht mehr kennen, ist eine riesige Aufgabe für die Politik.

Unser zukünftiger Lebensstandard hängt davon ab, ob es gelingt.

Ab und zu werden im Buch Vorschläge gemacht, wie das angestrebte Ziel erreicht werden könnte. Jeder dieser Vorschläge ist auch ein Beispiel dafür, welche Widerstände für einen profunden Umweltschutz überwunden werden müssen.

Viele hoffen, der technische Fortschritt würde die Umweltproblematik lösen, ohne dass sich in den Strukturen etwas ändern muss. Wenn nur alles mit „sauberen” regenerativen Energien betrieben würde, wäre die Welt wieder in Ordnung. Doch das ist ein Irrglaube. Jeder Eingriff des Menschen in die Natur schadet ihr, auch der Gebrauch von erneuerbaren Energien.

Daher stellt sich die Frage nach einer Lösung, die am wenigsten schädlich für die Natur ist, und die den Menschen ausreichend Entfaltungsmöglichkeiten bietet. Die Antwort ist einfach: Der Energieverbrauch durch die Menschheit muss unabhängig von den Quellen, aus denen die Energie stammt, verringert werden.

Aufgabe ist es, Wege zu finden, die es erlauben, unseren Lebensstil weitgehend beizubehalten und trotzdem weniger Energie zu verbrauchen.

Nicht allein das Klima und die natürlichen Ressourcen leiden durch den Menschen. Seine Dominanz verändert in wachsendem Maß die Lebensbedingungen für die anderen Geschöpfe auf der Erde. Noch nie sind so viele Arten in so kurzer Zeit ausgestorben wie heute.

Für uns am deutlichsten sichtbar ist das Insektensterben.

Als der Club of Rome seinen Bericht schrieb, lag an jeder Tankstelle ein harter Schwamm aus. Nach ein paar hundert Kilometer Fahrt war die Front des Fahrzeugs so von Insektenleichen übersät, dass man kaum mehr durchschauen konnte. Mit dem Schwamm gelang es, die harte Kruste wieder abzukratzen.

Diese Arbeit kann man sich heute sparen. Man braucht keine wissenschaftlichen Untersuchungen zum Insektensterben, es ist offensichtlich. Nicht nur die wildlebenden Insekten verschwinden. Auch die Bienen, die eigentlich gehegt und gepflegt werden, leiden.

Genau so offensichtlich, wie das Verschwinden der Insekten ist, so klar kann man auch die Ursache benennen - nicht im Einzelnen, aber grundsätzlich. Irgendwelche Maßnahmen, die in den letzten 50 Jahren eingeführt wurden, verursachen dieses Sterben.

Man muss nur das Landschaftsbild von Gebieten betrachten, in denen es den Insekten gut geht, und von unserer Umgebung. Beispielsweise werden in Kuba aufgrund des über das Land verhängten Embargos keine chemischen Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Den Bienen dort geht es prächtig. Honig ist nach Zigarren und Rum zum drittgrößten Exportschlager geworden.

Auch ein Vergleich der Vielfalt von Pflanzen und Insekten auf einer naturbelassenen Wiese mit dem bisschen Leben auf unseren Grasäckern zeigt, woran es liegt.

Zu Wasser und zu Land findet diese Verarmung statt. Begründet wird die naturfeindliche Haltung entweder mit dem Argument, wir müssen Nahrungsmittel für die wachsende Weltbevölkerung beschaffen, oder mit der Notwendigkeit, den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Ein Teufelskreis, bei dem sich immer mehr Menschen um immer weniger schlagen.

Lachs ist ein gutes Beispiel. Vor einigen Jahrzehnten war Räucherlachs eine Delikatesse für wenige Menschen. Die gefangenen Wildlachse reichten aus, den Bedarf zu decken. Mit der wachsenden Kaufkraft größerer Bevölkerungskreise nahm die Nachfrage zu, die Befischung wurde intensiviert. Bald gab es nicht mehr genügend Wildlachs, um sie zu befriedigen. Die ersten Fischzuchtanlagen wurden eingerichtet. Inzwischen sind die Absatzmöglichkeiten so stark angestiegen, dass weltweit riesige Anlagen gebaut wurden und werden, die für ihre Umgebung in den Buchten und Fjorden eine ökologische Katastrophe sind.

Was wird geschehen, wenn sich zukünftig zehnmal mehr Menschen Lachs zu heutigen Preisen leisten könnten? Wird der Preis für Lachs nach oben schnellen, sodass Räucherlachs wieder zum Luxusgut für wenige wird, oder werden immer mehr Anlagen gebaut, um den Bedarf zu decken?

Man kann den Lachs im Beispiel durch alle Nahrungsmittel, tierisch oder pflanzlich, ersetzen. Immer geht es darum: Wollen wir versuchen, einer wachsenden Weltbevölkerung so lange wie möglich auf Kosten der Natur den in den westlichen Staaten gewohnten Lebensstandard zu ermöglichen, oder sollen wir zum Schutz der Natur den Lebensstandard der breiten Masse der Bevölkerung senken?

Die von der Politik in vielen Ländern gewünschte ungebremste Vermehrung der Bevölkerung führt dazu, dass schon heute große Teile der Menschheit kein ausreichendes Einkommen haben, um ein menschenwürdiges Leben zu führen. Als Gelegenheitsarbeiter versuchen sie, sich durchzuschlagen. Solche Familien haben meist auch viele Kinder.

Die Erde ist zu klein, um all diese Menschen adäquat zu versorgen.

Der Club of Rome hatte recht. Wir müssen unsere Strukturen so ändern, dass weniger Ressourcen als heute verbraucht werden. Der sozial verträglichste und für die Umwelt beste Weg dahin wäre die Propagierung der Ein- bis Zweikindfamilie. China hat vorgemacht, wie sich ein armes Entwicklungsland, dessen Fortschritt nicht ständig durch das Wachstum der Bevölkerung aufgefressen wird, in kürzester Zeit entwickeln kann.

So unvernünftig es ist, gibt es riesige Widerstände gegen eine Steuerung der Geburtenzahl. Sie zu überwinden wäre der größte Beitrag für das zukünftige Leben auf der Erde. Es gilt zu entscheiden, ob eine zahlenmäßig etwas kleinere, aber glückliche Menschheit in Einklang mit der Natur unser Ziel ist oder ein unerbittlicher Kampf um die letzten Ressourcen.

Für einen unvoreingenommenen Betrachter gibt es sehr viel mehr, gegen das zu demonstrieren die Jugend Grund hätte.